Es war einmal- das Kraftwerk Wik

                  80 Jahre Stromproduktion am  Nord-Ostsee-Kanal

Das alte Kraftwerk Kiel-Wik

Über Jahrzehnte boten die zwei 110 Meter hohen Kamine des Kraftwerkes Wik den Bewohnern des Kieler Nordens einen vertrauten Anblick. Doch nicht nur die von weitem sichtbaren Zeichen verschwanden, sondern auch das Kraftwerk selbst, zu dem sie gehörten. Rund 80 Jahre Stromerzeugung an diesem Standort gingen 1992 zu Ende. Aber wie fing eigentlich alles an?

    1913 bis 1916 ließ der Ingenieur Bernhard Howaldt das Kraftwerk Wik errichten.

Im Jahre 1916 ging das Kraftwerk in den Besitz der Stadtwerke Kiel AG über, die damals noch "Städtische Licht - und Wasserwerke zu Kiel" hießen. Es wurde in der Folgezeit ständig auf den jeweils neuesten Stand der Technik gebracht und erreichte nach dem Ausbau 1942/43 eine elektrische Leistung von 46 Megawatt (MW). Ursprünglich war an diesem Standort nur die Erzeugung von Strom vorgesehen, doch bereits 1936 wurde aus den Turbinen entnommener Dampf und mit Anzapfdampf erwärmtes Heißwasser als Fernwärme an die Marine geliefert. Die Anlagen wurden gegen Ende des Krieges durch mehrere Bombentreffer schwer beschädigt und mussten in den harten Nachkriegsjahren nach und nach wieder aufgebaut werden. Seine eigentliche Blütezeit hatte das Kraftwerk in den Jahren 1954 bis 1970.

Damals erregte die eingesetzte, neuartige Feuerungstechnik (Schmelzzyklonkessel) in der Fachwelt viel Aufsehen. Der Vorteil bestand darin, das etwa 80 bis 90 Prozent der anfallenden Asche flüssig abgezogen wurde und so die Umwelt nicht belastete.

Zu dieser Zeit wurde, damit die neue Technik ihren Platz fand, das Kesselhaus nach Norden vergrößert. Damit erhielt das Kraftwerk das Aussehen, das es im wesentlichen bis zu seinem Abriss 1994/95 hatte.

Das Kraftwerk Wik hatte eine Leistung von 100 MW und war damit das größte und wirtschaftlichste Kraftwerk im damaligen Unternehmensverbund Vereinigte Großkraftwerke (VGW), dem unter anderem auch die Stadtwerke Neumünster und Flensburg sowie die heutige SCHLESWAG angehörten. Dieser Unternehmensverbund wurde 1960 aufgelöst, so das das Kraftwerk Wik ,,nur noch" das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Kiel mit Strom zu beliefern hatte. Ein neues Aufgabengebiet erschloss sich dem Kraftwerk Anfang der 60er Jahre, als beschlossen wurde, die Stadtteile Projensdorf und Suchsdorf mit umweltfreundlicher Fernwärme zu beliefern. Bis 1970 hatte das Heizkraftwerk Wik die Hauptlast der Kieler Stromerzeugung zu tragen. Dann wurde es durch die Inbetriebnahme des Gemeinschaftskraftwerkes Kiel (GKK) entlastet.

Das GKK übernahm nun die Stromspitzenlast- und Reservefunktion. Der Anstieg des Fernwärmebedarfs machte es wirtschaftlich lohnend, das Kraftwerk weiter auszubauen und zusätzlich die Heizzentrale Nord 2 mit 140 MW zu installieren. Das Heizkraftwerk verfügte nun über eine elektrische Leistung von 102 MW und eine Wärmeabgabeleistung von 233 MW, davon 150 MW in der Kraft-Wärme-Kopplung.

In den letzten drei Jahrzehnten wurden an das Versorgungsgebiet im Norden KieIs rund neun Milliarden Kilowattstunden (kWh) Fernwärme abgegeben und damit ein bedeutender Beitrag zur Luftreinhaltung geleistet. Dem Brennstoff Kohle ist das Kraftwerk stets treu geblieben. Am stadtwerkeeigenen Kohlekai wurden    insgesamt etwa zehn Millionen Tonnen Steinkohle gelöscht, neben der heimischen Ruhrkohle auch Importkohle aus verschiedenen Ländern.

Um den Schadstoffausstoß des Kraftwerkes unmittelbar zu verringern, wurden Anfang der 70er Jahre alle Kohlekessel mit Elektroentstaubern nachgerüstet und nur noch schwefelarme Kohle eingesetzt. Das reichte aber nicht aus, die Emissionsgrenzwerte nach den neuen Verordnungen zur Reinhaltung der Luft zu erfüllen. Entschwefelungs- und Entstickungsanlagen hätten neu gebaut werden müssen.

Die Umrüstungen hierfür hätten einen außergewöhnlich hohen finanziellen Aufwand erfordert und waren bei Berücksichtigung der Überalterung zahlreicher Kraftwerkskomponenten in keiner Weise vertretbar.

Das neue Energiekonzept

Im Jahre 1984 wurde daher das Energiekonzept 2000 der Stadtwerke Kiel AG beschlossen, das unter anderem die Stillegung des Wiker Heizkraftwerkes beinhaltete. Gleichzeitig erwarben die Stadtwerke 50 Prozent des Gemeinschaftskraftwerkes Kiel. Das GKK sollte künftig die Hauptlast der Strom - und Wärmeproduktion übernehmen.

Die Stadtwerke beschlossen, von der gesetzlichen Möglichkeit einer Restnutzungserklärung für das Werk in der Wik bis 1993 Gebrauch zu machen. Damit war das Schicksal des Kraftwerkes besiegelt. Am Ende der Heizperiode 1991/92 wurde das gesamte Kraftwerk für immer abgeschaltet.

Doch brauchte in Kiel niemand zu frieren, denn nun stand das Gemeinschaftskraftwerk auf dem Kieler Ostufer zur Verfügung.

Durch die Realisierung des Energiekonzepts der Stadtwerke Kiel AG wird der Strom -und Fernwärmebedarf auf Basis der ökologisch wie ökonomisch gleichermaßen sinnvollen Kraftwärmekopplung sichergestellt. Das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) - ursprünglich eine reine ,,Stromfabrik wurde zu einem Heizkraftwerk umgerüstet und mit der Grundlasterzeugung der Kieler Fernwärmeversorgung beauftragt.

Zunächst wurde 1986/87 ein separates Heizwerk mit drei Kesseln und einer Gesamtleistung von 44 Megawatt auf Gas- und Ölbasis errichtet. Seit ihrer Fertigstellung versorgt diese Anlage über eine Transportleitung, die in einem Tunnel auch die Schwentine unterquert, die erschlossenen Gebiete auf dem Ostufer mit Fernwärme. Um auch die Wohnungen auf dem Westufer vom GKK aus mit Fernwärme zu versorgen, wird die Förde von einem rund 1.400 Meter langen Tunnel mit einem Durchmesser von über vier Metern unterquert. In diesem, 1992 in Betrieb genommenen, Tunnel liegen die Fernwärmerohre, die es ermöglichten, die Wärmenetze auf dem Ost- und dem Westufer in einem einheitlichen Verbund zu schalten. Seitdem wird der Kieler Fernwärmeverbund von der Fernwärmeleitzentrale in der Humboldtstraße aus "gefahren".

Bei der Umsetzung des Energiekonzeptes sind keine Mitarbeiter entlassen worden. Sie wurden in andere Abteilungen versetzt oder in den Ruhestand geschickt.

Heute findet  noch immer in regelmäßigen Abständen das "Wiker Treffen" statt. Rentner und noch Aktive treffen sich zum Klönschnack.

   Neue Termine für das "Wiker Treffen":

  Donnerstag 7. Oktober 2010 

       Bilder vom Wiker Treffen 12.03.2009

 Bilder vom Wiker Treffen 8.10.2009